5-jähriger Ponyhengst:Bewegte sich unterm Sattel nur ungern und steht in der Box beim Fressen mit gekreuzten Vorderbeinen. Was war passiert?

Anamnese/Hauptproblem

Eine Pferdebesitzerin sprach mich spontan nach einer Behandlung eines anderen Pferdes in ihrem Stall an, ob ich mir ihren 5-jährigen Ponyhengst (Welsh B) ansehen könne. Er wäre seit zwei Wochen irgendwie seltsam. Dies sei ihr aufgefallen seit dem Tag, an dem sie ihn nach einem Freilauf in der Halle reingeholt hatte und er an beiden Vorderbeinen leichte Schürfwunden hatte. Da ging er aber noch lahm frei in den Stall zurück und wies sonst keine Blessuren auf. In den folgenden Tagen fiel ihr auf, dass er sich unter dem Sattel nur ungern bewegte und in der Box beim Fressen mit gekreuzten Vorderbeinen stand. Ausserdem soll er sich in der Rückenlinie optisch verändert haben.

 

Befunde/Erkenntnisse

In Bewegung konnte ich keine asymmetrische Lahmheit feststellen aber er wirkte sehr verklemmt und gar bewegungsscheu. Bei der Palpation (Abtasten) war die total verkrampfte Brustmuskulatur auffallend. Und tatsächlich wirkte die Rückenlinie unharmonisch, weil der Ristbereich im Vergleich zum oberen Schulterblattrand sehr tief stand. Zudem manifestierten sich unnatürliche Atemgeräusche, die auf ein forciertes Ausatmen zurückzuführen waren. Der Gedanke an Schmerzen lag nahe.

 

Hypothese und Therapieansatz

Ich ging in meinem Befund etwas mehr nach «test and treat» vor, d.h. ich fokussierte mich etwas mehr auf diesen Brustbein-Schulterbereich und versuchte die Verkrampfungen zu lösen, überprüfte parallel dazu aber immer wieder die Muskelspannung und die Atmung. Die Idee war, dass sich die Exspiration (Ausatmung) normalisiert und das Pony auch seine Haltung verbessern kann. Der Tiefstand des Ristbereiches war meiner Meinung nach Grund für die gekreuzte Beinhaltung beim Fressen. Die Atemgeräusche schienen mir trotzdem suspekt. Ein pulmonales Problem konnte ich nicht ausschliessen.

 

Procedere

Ich entschied mit der Besitzerin, dass sie ihr Pony vorerst nicht reiten und weiterhin gut beobachten sollte und ich nach drei Tagen wieder vorbeikäme. Sollte sich sein Zustand degradieren, empfahl ich ihr umgehend den Tierarzt zu verständigen. Nach drei Tagen kam ich erneut zum Patienten, dessen Zustand unverändert war. Meine Erstbehandlung hatte nicht gefruchtet. Während der erneuten Palpation reagierte der Hengst überempfindlich stark im Ristbereich, was mir so drei Tage zuvor nicht aufgefallen war. Ich brach die Behandlung ab und legte der Besitzerin nahe bald ihren Tierarzt zu verständigen. Ich hatte das ungute Gefühl, dass sich hinter den Symptomen des Ponys eine Dornfortsatz-Fraktur verstecken könnte. Diese kann beim Steigen, wenn das Pferd das Gleichgewicht verliert und nach hinten fällt, passieren.

Zwei Tage später bestätigte sich der Verdacht nach einer Röntgen-Kontrolle der Brustwirbelsäule. Die Diagnose lautete multiple Dornfortsatzfraktur im Ristbereich. Das Pony bekam Schmerzmedikation und Boxenruhe verschrieben und war für circa sechs Monate nicht einsetzbar unterm Sattel.

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CELINE ADAM
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